Eine Warnung vor der Theologie des heiligen Augustinus

Papst Leo XIV. ist ein Augustinus-Fan. Sehr viele sind es nicht. Und sie sollten nie Augustinus – Fans werden!

Ein Hinweis von Christian Modehn 8. August 2025, drei Monate nach dem „Regierungsantritt“ von Papst Leo XIV.

1.
Papst Leo XIV. hat seit der ersten Minute seines „Pontifikats“ explizit betont, dass er als Mitglied des Augustinerordens (und früher auch als dessen „Generalprior“ in Rom) ganz eng mit dem Denken Augustins (354 – 430) verbunden ist. Er nennt sich als gerade erst gewählter Papst „einen Sohn des heiligen Augustinus“ (dieser hatte übrigens einen leiblichen Sohn, Adeodat mit Namen).

2.
Der Wahlspruch des Papstes stammt aus der nahezu “mystisch” – verstiegen zu nennenden Theologie Augustins, die Formel heißt: „In illo uno unum“, diese knappe Formel lässt sich so übersetzen: „Wir sind eins in jenem einem (Christus)“. Oder interpretierend: „Obwohl wir als Christen viele sind, sind wir eins in dem einen Christus“. Wie diese Einheit in Vielfalt gelebt wird, sagt diese Formel nicht. Immerhin ist die zentrale Marke „Einheit“ von Leo XIV. gesetzt. Die Vielfalt in der mystischen Einheit mit Christus hat aber bei Augustin eine Einschränkung, wenn er sagt: “‘Mit euch bin ich Christ und für euch Bischof.“ Diese Formel wird auch von Papst Leo XIV. zentral wiederholt. Sie bedeutet wohl: Der Bischof ist ein herausgehobener, ein besonderer Christ, denn er handelt, herrscht, gerade im Gegenüber zu den Christen FÜR die Christen…Das FÜR ist entscheidend: Eine moderne Theologie würde richtiger sagen: „MIT euch bin ich Bischof.“ Das wäre Ausdruck der Gleichheit aller Christen (Katholiken).

Die Hochschätzung und Höherbewertung des Klerus durch Papst Leo XIV. wird deutlich: Den Kandidaten fürs Priesteramt (“Seminaristen”) empfahl Leo XIV., sich an Sprüche Augustins  zu halten und vor allem den Zölibat hochzuschätzen. Mit etwas Anstrengung, bitte schön,  sei doch der Zölibat zu leben, sagte er den 20 -25 Jahre jungen Männern…, man muss diese Empfehlung theologisch falsch und psychologisch naiv nennen. Wer sagt das öffentlich? Von der Abschaffung des Pflichtzölibates sollte er als Papst endlich sprechen, macht er aber nicht, obwohl er sofort dieses Gesetz aufheben könnte . LINK:

Und seine päpstliche Macht zeigte Leo XIV., als er den sehr extrem konservativen Kurien – Kardinal Robert Sarah aus Guinea als seinen päpstlichen Delegaten und Stellvertreter dort in die Bretagne, nach Sainte Anne d Auray, sandte: zu den populären Feierlichkeiten zu Ehren der heiligen Anna, der Mutter Marias. Diese Mutter Mariens wird in der Bibel nicht erwähnt, aber egal, man kann sie ja als Mythos katholisch feiern…Wichtiger ist die übliche Polemik Kardinal Sarahs gegen die modere freiheitliche liberale Demokratie. Die seriöse katholische Tageszeitung “La Croix” (Paris) berichtete:”Der Prälat aus Guinea hat am 26. Juli während einer päpstlichen Messe, in Anwesenheit der Bischöfe von West – Frankreich, dazu aufgerufen: Gott den ersten Platz wieder zu geben. Kardinal Sarah sagte: “Zu oft präsentiert man im Westen (in Europa) die Religion als eine Aktivität, die nur im Dienste des Wohlbefindens des Menschen steht.” Diese Haltung hat der Kardinal ohne Einschränkung verurteilt, bevor er eine Anspielung machte auf die aktuellen politischen Debatten in Frankreich zu Gesetzen zum Ende des menschlichen Lebens. Der von Leo XIV. in die Bretagne gesandte Kardinal Sarah sagte: “Ihr (Katholiken) sollt Frankreich nicht profanieren mit den barbarischen und inhumanen Gesetzen, die nur den Tod predigen, während Gott das Leben will.” Auf diese Weise wird eine sinvolle Debatte und ein sinnvolles  Gesetz zum selbstbestimmten Sterben abgewürgt, wie üblich, hätte Papst Lleo XIV. nicht besser sagen können… LINK.

3.
Nun hat Papst Leo in seinen Ansprachen und Predigten während der Weltjugendtage in Rom (26.7. bis 9.8.) immer wieder den jungen TeilnehmerInnen Weisheiten und Einsichten Augustins nahebringen wollen. Es waren Mahnungen, Empfehlungen, Warnungen, die das private moralische Leben betreffen. Von Einladungen, für die Menschenrechte politisch einzutreten, etwa in NGOs, war keine Rede. Die für radikale Kirchenkritik wahrlich nicht bekannte, aber objektive französische katholische Tageszeitung „La Croix“ (Paris) hat diese Augustinus – Propaganda durch den Papst untersucht:

4.
Dies sind die wesentlichen Erkenntnisse der Recherchen  von „La Croix“: Mikael Corre und Youana Rivallain, Journalisten von „La Croix“, veröffentlichen am 3.8. eine ausführliche Reportage zur Präsenz des Papstes beim Weltjugendtag. Auf der Esplanade von „Tor Vergata“ habe Leo XIV. sehr leise gesprochen und dabei aus den „Konfessionen“ Augustins zitiert: “Du hast mich berührt, und mich begeistert für den Frieden.“ Am Sonntag 3.8. hat der Papst in seiner Predigt eine Meditation des heiligen Augustinus über die Schönheit der Dinge gehalten: „Gold und Geld…  Aber sucht besser nach dem, der dieses gemacht hat, und er ist deine wahrhaftige Hoffnung“. Er lädt die jungen Leute ein, „großen Dingen nachzustreben, vor allem der Heiligkeit. Und zwar dort, wo ihr Jugendlichen seid. Ihr sollt nicht mit wenigem zufrieden sein.“ Der Papst zitiert die Bibel und noch mehr Augustinus, bis zur Übertreibung zitiert er Augustin, mystische, nein seltsame Worte für Jugendliche des 21. Jahrhunderts: „Herr, du warst im Innern und ich war im Äußeren, und da habe ich dich gesucht. Aber du hast gerufen, du hast geschrien, du hast meine Taubheit gebrochen, du hat geglänzt und meine Blindheit aufgelöst und du hast lieblich geduftet, ich habe geatmet und keuchend, habe ich dich gesucht und dich genossen“. Der Kommentar von „La Croix“: „Dieser Satz war es, der anläßlich der Messe am 3.8. im Zentrum der päpstlichen Predigt stand.“ Und diese Predigt war – bei Leo XIV. üblich – wieder voller Mahnungen und Ermunterungen zu einem „inneren Leben“ der Jugendlichen. Dieser Papst wird der Papst der Mahnungen und Warnungen und Empfehlungen in die Geschichte eingehen.

5.
Die häufigen Verweise auf Augustinus durch Leo XIV. sind von besonderer Problematik: Und zwar vor allem deswegen, weil sein hoch verehrter “geistlicher Vater“, der hl. Augustinus, selbst hoch problematisch ist als Theologe und als „bedeutender Kirchenvater.  Augustinus ist ein dermapen vielschichtiger Theologe und Philosoph der ANTIKE, dass sich leicht immer auch heute noch nachvollziehbare Einsichten und Weisheiten empfehlen lassen. Aber niemand darf so tun, als wäre dies der ganze Augustinus: Es gibt den rigiden, strengen, den polemischen, den pessimistischen Ketzerverfolger Augustinus als Bischof im Alter. Wer nette Sprüche Augustins zitiert, sollte immer sagen: Dies ist nur der halbe Augustinus. Der problematische Augustinus aber hat den Katholizismus bis heute bestimmt, und auch die Lutherischen Kirchen sowie die Reformierte Kirche, die sich einst „Calvinisten“ nannten. Bis in die Theologie des berühmten protestantischen Theologen Karl Barth wirkt der problematische Augustin weiter.

6.
Es kann hier erneut auf zentrale  „Problemfelder“ in der Theologie Augustins nur verwiesen werden. Sie haben das Ziel, die Zwiespältigkeit und Widersprüchlichkeit, ja durchaus auch die „Gefährlichkeit“ seiner Theologie  freizulegen mit dem Motto: „Warnung vor der Theologie des alten Augustinus“. Und diese Warnung vor der Theologie zumal des älteren und alten Augustinus wird von verschiedenen kompetenten Seiten ausgesprochen. Der bekannte Autor, Kenner und Forscher zum Thema Islam, Navid Kermani, hat in seinem Buch “Der Schrecken Gottes”, München 2011, ein Kapitel über die “Theologie der Angst” verfasst: Darin zeigt er Parallelen auf im Gottesbild des persischen Dichters ATTAR (“Das Buch der Leiden”) und des katholischen Theologen/Bischofs Augustin (S. 141-148). “In ihren Spätwerken schreiben beide, Attar, der Muslim, und Augustinus, Gott die direkte Verantwortung für das Böse zu…Das Böse ist zumindest für Augustinus notwendiger Teil des Guten” (S. 145).

7.
Ich nenne hier nur Stichworte: Dass Augustinus die Erbsünde erfunden hat und mit Gewalt durchgesetzt hat gegen seine freien und (biblisch) korrekt denkenden Theologen und Bischofskollegen (etwa Julian von Eclanum), ist schon so oft begründet und richtig gesagt worden. Große Verdienste auch zu dem Thema hat der Philosoph und theologisch hoch gebildete Wissenschaftler Prof. Kurt Flasch. Auch im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin wurde seinen Anregungen folgend diskutiert und publiziert. LINK.

8.
Von einem Theologen der Antike, und das war Augustinus, kann man überhaupt keine kritische Theologie zur „Frauenfrage“ in der Kirche erwarten. Kurt Flasch weist in seiner Studie „Eva und Adam. Wandlungen eines Mythos“ (München 2004) darauf hin: Die Frau soll dienen und gehorchen, und sie soll es mit Hingabe tun, so lautet die schlichte Folgerung Augustinus für die Frau.“ (Seite 41). Übrigens: „Augustin hielt Adam für eine historische Person, er war der erste Sünder.“ (S. 38, 40). Diese Aussage kann man Augustin als einem Theologen der Antike nicht so übelnehmen, aber Christen aller Konfessionen sollten im 21. Jahrhundert diesen Mythos längst überwunden haben. Der Papst lasse also auch hier Augustin beiseite und gebe den Frauen in der Kirche eine volle und ganze Gleichberechtigung auch im Priesteramt. Nur diese Position entspricht dem Evangelium und dem wahren modernen Bewusstsein! Sonst wird die katholische Kirche zurecht von gebildeten Menschen ignoriert.

9.
Dass Augustin insgesamt wohl seine tiefen und leidvollen Probleme mit seiner eigenen Sexualität und der Sexualität im allgemeinen hatte, hat sich inzwischen als gesicherte Erkenntnis herumgesprochen.
Für Augustin wird die Sexualität zur Last, und zwar ist sie dies seit dem Sündenfall im Paradies! Als Bischof war er heftig bemüht, seinen Leuten die Zügelung der sexuellen Begehren zu empfehlen und er fand für „diese Kunst der Körper/Sex-Beherrschung“ erstaunliche Worte, die Kurt Flasch in „Eva und Adam“ notiert hat: Wir zitieren nur zwei Beispiele Augustins für die Kunst, den eigenen Körper selbst in den unmöglichsten Fällen zu beherrschen: “So können einige Leute ihre Ohren bewegen, entweder nur eins oder beide zugleich… Einige können mit ihrem Hinterteil ohne jeden Gestank beliebig viele Töne so hervorbringen, dass man glaubt, sie singen auch mit diesem Körperteil“ (S. 77, Flasch bezieht sich in Fußnote 66 auf eine Aussage Augustins in „De civitate Dei“…)
Also, wenn das alles für den Menschen möglich ist, dann sollte doch auch bitte das sexuelle Begehren möglichst vom Menschen ausgeschaltet werden können…Wunschtraum eines sexuell Frustrierten im 5. Jahrhundert…

10.
Auf Augustinus Höllenlehre muss noch hingewiesen werden: Er war der Überzeugung, dass die Sünder in der Hölle endlos lange Qualen erleiden müssen. Der Mensch verdiene eben wegen der Erbsünde ewiges Leiden in der Hölle…

11.
Über Augustins Verhältnis zu den Juden wäre zu sprechen, er behauptet: “Eure jüdischen Väter haben Christus getötet“, sie seien der „ungeheuren Vergehen der Gottlosigkeit“ schuldig…

12.
Man möchte förmlich den Augustiner Papst Leo XIV. bitten, seinen großen „Meister“ beiseite zu legen und die Augustinuszitate nur noch den Historikern zu überlassen. Denn das theologische Denken des antiken (!) Theologen und Philosophen Augustin taugt wenig für die modernen Herausforderungen der Kirchen, der Politik, der Ökologie und der Kriege. Mit ein paar netten Weisheiten : „nach Innen zu schauen“, „doch bitte wahrhaftig zu sein”, “nicht den Mut zu verlieren”, irgendwie auch gegen die kapitalistische Gier zu sein”  etc. kommt diese verrückte Welt heute nicht zu gerechteren Verhältnissen.

13.
Dieser mögliche Abstand vom „Meister Augustin“ kann den Augustinern um so leichter fallen, als sie eigentlich nur die sehr knappe “Regel für eine gemeinsames Leben im Kloster” von Augustin übernommen haben. Augustinus ist nicht der Gründer des Ordens, dieser Orden ist in der Mitte des 13. Jahrhunderts durch päpstliche Initiative entstanden, unter dem Titel „Augustiner“ wurden verschiedene italienische Eremitengemeinschaften zusammengeführt.

Der Augustiner-Orden hat als einziger in der Kirche keinen persönlichen Gründer, wie Ignatius von Loyola, Franz von Assisi, Don Bosco und so weiter. Es waren einige Päpste, die diesen Orden schufen. Und ausgerechnet ein Mitglied des Augustiner-Ordens war der heftigste Gegner des Papsttums: der Augustiner Martin Luther. Von seinem ketzerischen „Mitbruder“ (und Augustinus – Fan!) hat Papst Leo XIV. bisher (8.8.2025) nicht gesprochen…Seit der Zeit wollen die Augustiner sehr päpstlich – treu ergeben sein und haben (deswegen?) auch sehr wenige bedeutende oder gar kritische Theologen hervorgebracht wie etwa die Dominikaner, Jesuiten, Benediktiner usw… Aufgrund dieser Armut, keinen wirklichen spirituellen Gründer des Ordens zu haben, beziehen sich die Augustiner ständig – wie aus Verlegenheit – auf Augustinus, der nur der Autor ihrer knappen Ordensregel ist…Sie erforschen ihren “Meister” historisch in eigenen Instituten, sie haben aber nicht die Kraft, sich von ihm abzusetzen…

PS: Interessant ist, dass der Augustinerorden (O.S.A.) zwei Reformorden hat, die jetzt kaum – auch nicht von “dem” Augustiner Papst Leo XIV. – erwähnt werden: Die Reformorden wurden gegründet, um dem im 17. Jahrhundert eher “schläfrigen” Augustiner-Orden (O.S.A.) etwas Radikaleres entgegenzusetzen. Es handelt sich um die “Augustiner-Rekollekten” (ca. 1.300 Mitglieder) und die “Unbeschuhten Augustiner” (ca. 150 Mitglieder), zu denen der Prediger Abraham a Sancta Clara in Wien gehört, auch er ein heftiger Antisemit. Es gibt zudem zahlreiche Augustiner-Chorherren – Orden, wie etwa  im Stift St. Florian bei Linz, aber diese monumentalen Chorherren – Klöster glänzen nicht durch mutige Programme der Kirchenreform. Man darf wohl sagen: Wo Augustiner leben und auftreten, da geht es sehr behutsam zu. Sehr treu zur päpstlichen Lehre. Dieses behutsame Lehren und behutsame gemeinschaftliche Leben findet in Westeuropa keinen Anklang mehr: Der Augustinerorden hat jüngere Mitglieder heute nur noch in Lateinamerika, Afrika und auf den Philippinen und in Indonesien…Neue Formen des Ordenslebens mit Laien zusammen werden lediglich in den Niederlanden versucht, um den Augustiner –  Orden vor dem alsbaldigen Aussterben mangels Klerikern zu bewahren…

14.
Es wirkt seltsam, dass die viele Vatikanologen, die sich unter Papst Franziskus fast die Finger wund schrieben, zu Leo XIV. bis jetzt schweigen. Wahrscheinlich warten sie dessen erste Enzyklika ab, den Titel ahne ich schon: „Wir sind doch alles eins“ oder auch „Wir sollten alle die Einheit suchen“. Unvorstellbar der Titel „Einheit der verschiedenen Christen und Kirchen gibt es nur in versöhnter Verschiedenheit. Fördern wir die Vielfalt. Einheit kann zum Schlagwort, zur Ideologie werden“… Dieser Titel wäre richtig, treffend – aktuell, aber leider zu lang und vor allem zu „unkatholisch“…

15.
Unsere Warnung vor der Theologie Augustins bedeutet natürlich keine Warnung vor dem Menschen Leo XIV. Er ist ja um Gespräche mit so vielen so bemüht, und auch seine Mahnungen und Forderungen, bitte bitte Frieden zu schaffen, sind wahrscheinlich schon etwas wertvoll… Konkreteres wünschen sich manche…

16.
Papst Franziskus war knapp vier Monate im Amt, da besuchte er am 8.Juli 2013 die Insel Lampedusa und die dort gestrandeten (und im Meer ertrunkenen) Flüchtlinge aus Afrika. Das war ein starkes politisches Zeichen, für das so viele dankbar sind… Manche fragen: Welches große Zeichen wird Papst Leo XIV., nach 4 Monaten „Pontifikat“ (d.h. doch Brückenbauen) setzen. Eine Idee: Vielleicht reist er als selnbst ernannter “Friedenspapst” bald  nach Kyiv (Kiew)? Ohne konkret Partei zu ergreifen für die Ukraine, gibt es angesichts des Diktators Putin keinen Frieden. Aber der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau und Putin Freund, Kyrill, seit gemeinsamen KGB Zeiten mit Putin verbandelt, wäre bei so viel tatsächlichem päpstlichen Engagement für die Ukraine sicher böse. Und das hätte der Papst gar nicht so gern, denn er will so dringend die Versöhnung mit den orthodoxen Kirchen. Also verzichtet er aus kirchlichen Gründen auf ein präzises politisches Engagement. Dass Putin zu Friedensgesprächen in den Vatikan kommt gemeinsam mit Präsident Selensky, ist ein Wunschtraum des Papstes.

Dieser Hinweis ist nicht unser erster Beitrag zur verheerenden Theologie Augustins und es gilt der Vorschlag, dass sich doch selbst ein Augustiner als Papst von der Theologie des Augustinus befreien könnte und auf die Höhe moderner, kritischer Theologie kommt: Siehe auch: LINK

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Fördert die Regierung Netanjahu den Antisemitimus?

Die 28. der „Unerhörten Fragen“
Von Christian Modehn am 31.7.2025

Am 16.9.2025: Nach vielen Rückmeldungen beantworten viele LeserInnen diese Frage mit JA. Sie meinen, dass diese Regierung Netanjahus mit den Rechtsextremen in der Regierung (an die er sich aus persönlichen, egoistischen Gründen klammern muss)  tatsächlich  antisemitische Gefühle bewirkt oder fördert. Progressive Juden sind offenbar zu schwach, um diesem Netanjahu-Wahn sofort und absolut Einhalt zu gebieten!!  CM.

…………Am 31.7.2025:

Könnte es sein, dass die Netanjahu-Regierung in Israel in ihrem absolut unmenschlichen Umgang mit den Palästinensern in Gaza (und im Westjordanland) den allgemeinen Antisemitismus weltweit fördert? Antisemitismus in der westlichen Welt also verursacht durch Israels Politiker und durch die jüdischen Bürger Israels, die diese Politiker wählten?

Diese Frage wird in aller Vorsicht gestellt. In dem Wissen, dass gebildete Menschen Antisemitismus von Kritik an einer brutalen Regierung in Israel unterscheiden. Aber auch in dem Wissen, dass diese Unterscheidung bei sehr vielen Menschen leider nicht üblich ist. Und jetzt schwerfällt. Dass diese Regierung Israels de facto Antisemitismus erzeugt, wird verstärkt durch das Wissen: Dass Israel sich ursprünglich als ein „jüdischer Staat“ behauptet. Ein religiöser, biblischer Staat also, der, bei diesem Titel dem eigenen Anspruch folgend, gewisse grundlegende humane Prinzipien etwa der biblischen Propheten respektieren müsste! Der also dem entsprechend mehr auf Dialog mit den Feinden setzen müsste als auf permanente Unterdrückung des Feindes. Fördert also Israels Regierung den Antisemitismus in der “westlichen Welt”? Das ist wahrscheinlich!

Dies wird auch in dem Wissen gesagt, dass die Hamas Israel brutal angegriffen hat. Dies wird auch in dem Wissen gesagt, dass das übliche, angeblich biblisch begründete (aber nicht etwa christlich geltende) Prinzip der Rache „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gegen den Feind maßvoll eingesetzt werden sollte.
Jetzt aber ist die tötende Gewalt Israels gegenüber dem Feind absolut maßlos geworden. Die Bilder des durch Isarel erzeugte Elends der Menschen in Gaza erinnern an leidende Menschen im KZ!
Hilfsorganisationen nennen das Elend der Palästinenser jetzt „die Hölle“ (Tagesschau 31.7.2025, 20. Uhr). Ist es also für bestimmte Juden normal geworden, dass jüdische Politiker die Hölle für andere erzeugen?
Nein, es gibt Widerspruch unter Juden in Israel und weltweit, aber leider bleibt der Widerspruch bisher wirkungslos. Woran liegt das? Wie weit darf Israel -Kritik durch Juden gehen? Die großartigen Studien des jüdischen Historikers Prof. Shlomo Sand (Tel Aviv) sind leider die Ausnahme, sie werden in Deutschland kaum beachtet, seine Studien verdienen weites Interesse! LINK  Kein deutscher TV Sender fragt Prof. Slomo Sand…Eine Rezension eines der Bücher von Shlomo Sand: siehe die Fußnote 1.

Gott sein Dank wehren sich gegen den Massenmord durch Israels Regierung einige vernünftige europäische Politiker. Deutsche sind bislang deutlich nicht dabei, wenn es jetzt um die Anerkennung eines Palästinenser Staates geht. Deutsche Politiker fördern also auch in dieser ihrer Zurückhaltung, Angst, Staatsräson, den von dieser Regierung in Israel erzeugten Antisemitismus? Darf man diese Situation paradox nennen? Das heißt: Deutsche Politiker (Merz und Co) fördern wieder in dieser ihrer genannten Zurückhaltung eine neue Form des Antisemitismus?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

……..

Fußnote 1:

Shlomo Sand
Warum ich aufhöre, Jude zu sein
Propyläen Verlag. 156 Seiten. 18 €

Von Christian Modehn , erschienen in der Zeitschrift PUBLIK – FORUM  2014.

Shlomo Sand, Professor für Geschichte in Tel Aviv, bietet mehr als ein persönliches Bekenntnis. Er kann aus objektiven Gründen nicht länger Jude sein, weil er den heutigen Staat Israel ablehnt. Dabei gibt es für ihn keinen Zweifel, als polnischer Jude, 1942 in Österreich geboren, für das Existenzrecht Israels einzutreten. In dem „jüdischen Staat“ lebt er seit 1949. Aber gerade diese Definition findet er unerträglich. Denn Israel bevorzugt die Bewohner, die dem jüdischen Volk zugehören. Dabei ist es ein Mythos, so wörtlich, über die jüdische Rasse den Staat Israel zu definieren. Die „Rasse“ der Hebräer gibt es nicht. Jude, meint Sand, sei man einzig durch sein religiöses Bekenntnis. Als Atheist möchte er aufhören, als Jude zu gelten, kann es aber nicht, weil er vom Staat unaufhebbar dem „Volk“ zugerechnet wird. In dieser „Volksideologie“ sieht Sand zudem die Wurzel der verhängnisvollen Besatzungspolitik. Er plädiert für eine „republikanische Identität“ Israels mit dem absoluten Respekt der Menschenrechte und einer Zweistaatenlösung mit Palästina. Das Buch verdient intensive Diskussionen.

CSD Berlin und katholische Kirche: Nicht dabei! Genauso wie die Gemeinden der Muslime.

Ein Kommentar von Christian Modehn am 26.7.2025

Katholiken, fundamentalistische Protestanten und Muslime vereint: In der Abwesenheit auf dem CSD!  Deutlicher kann die Ablehnung des Kampfes um Menschenrechte nicht sein. Eine Koalition der sehr Konservativen. 

1.
Die 47. CSD-Veranstaltung, Parade, Demo, war sicher eine der bedeutendsten der letzten Jahre, nicht nur wegen der vielen tausend TeilnehmerInnen, vor allem wegen der klaren politischen Ansage. “Nie wieder still“, so das Motto, will die Queer – Community sein, wenn es um Menschenrechte, um Gleichberechtigung für queere Menschen geht. Und der laute scharfe Protest wird nötig sein, vereint mit allen demokratischen Kräften, die für umfassende Gleichberechtigung eintreten außerhalb des konservativen Mainstreams der CDU/CSU und der als rechtsextrem eingestuften AFD. Gewalt gegen queere Menschen ist leider auch in Berlin alltäglich geworden. Da braucht die ganze Gesellschaft Zusammenhalt. Aber man achte darauf, dass katholischen CDU /CSU Politiker jetzt sehr heftig alte, in ihrer Sicht „korrekte“ Positionen wieder durchsetzen. Ein sehr rechter Block formiert sich weiter…Siehe die Auseinandersetzungen um die Berufung der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf ins Bundesverfassungsgericht.

2.
Was also ein historisches Datum ist: Zwei große Organisationen waren auf der 47. CSD Demo NICHT dabei, weder mit einem eigenen Wagen oder wenigstens mit einem öffentlich sichtbaren Fahrrad: Etwa mit dem Titel „Muslime für die Gleichberechtigung der muslimischen Queers in unseren Gemeinden“ oder „Die katholische Kirche in Berlin ist mit den Queers selbstverständlich solidarisch“.
Diese beiden großen religiösen Organisationen waren auf der CSD Demo nicht zu sehen: Die islamischen Gemeinden und die offizielle katholische Kirche in Berlin. Während sich spirituell interessierten Queers freuten, dass die Evangelische Kirche in Berlin offiziell mit einem eigenen Wagen vertreten war mit der Generalsuperintendentin Julia Helmke an Bord.

3.
Es ist mehr als blamabel für das Ansehen der katholischen Kirche, dass sie sich nun in bester Gesellschaft befindet mit den zweifelsfrei mindestens sehr konservativen, sicher queer – feindlichen Moschee- Gemeinden. Katholiken und Islam also vereint im öffentlichen Fernbleiben auf einer wichtigen Demo, die ja nicht nur die Menschenrechte der Queers, sondern aller Minderheiten einfordert, also für eine wahre Demokratie eintritt.

4.
So zeigt sich ein gespaltenes Bild der Christen: Die Evangelische Kirche Berlin ist auf dem CSD-Fest ganz groß dabei, die offizielle katholische Kirche hält sich fern. In ihrem immer noch gültigen Katechismus, sagt der Vatikan ganz offen, dass Homosexualiät als Verirrung gilt und Queers bitte keusch leben müssen. Was ja bekanntlich faktisch und nachweislich für viele zölibatäre Priester nicht gilt.

5.
Diejenigen, die als Katholiken noch ein Gespür für die dringende öffentliche Solidarität mit Queers bewahrt haben – wegen der rechtsradikalen Gewalt gegen Queers z.B. – schämen sich hoffentlich über ihre Kirchenleitung. Und protestieren, aber: wie so oft vergeblich……
Der Autor dieses Kommentars war dabei, als Erzbischof Heiner Koch gleich nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Berlin im Jahr 2015 ein Schwules Aktionsbüro in der Bülowstr. in Schöneberg sehr interessiert mindestens zwei Stunden lang zum Gespräch besuchte. So viel Interesse, wenn nicht Mut hat der Erzbischof jetzt, 2025, nicht mehr. Hätte er doch wenigstens einige Berliner Priester und Ordensleute, auch Nonnen, zur Demo geschickt, „Gay priest of Berlin“: Das hätte man gern nun auch öffentlich gelesen und respektiert. Aber auf diese angstvolle Weise des Fernbleibens zeigt sich die katholische Kirche Berlins abermals auf ihrem Weg ins Getto. Eine für viele Millionen umgebaute St. Hedwigskathedrale mit der neu gebauten Residenz des Erzbischofs setzt da auch keinen anderen Akzent von Offenheit. Zumal in der Nachbarschaft zur teuer erbauten Kathedrale die große Anlage des Katharinenstiftes in der Greifswalder Str. verkauft wird. Auch die „Basis“ der kleinen Gemeinden interessiert nicht: Repräsentation (Kathedrale!) und politisches Agieren im Hintergrund zugunsten des allheiligsten Verbots der Freigabe von Schwangerschaftsabbruch sind wichtiger.

6.
Protestanten, wie der Autor dieser Zeilen, freuen sich jedenfalls über das Engagement der Evangelischen Kirche in Berlin. Und auch der Autor hofft nur, dass die evangelische Kirche nicht dringend von den Katholiken “gebeten” wird, in „ökumenischem Geist” demnächst nicht mehr auf einer CSD Parade dabei zu sein.
Der unterschiedliche Umgang mit der CSD Parade durch Protestanten und Katholiken zeigt einmal mehr, wie gering eigentlich die gemeinsame christliche Basis ist. Ökumene, so hat man den Eindruck, ist oft bloß ein Wort, für Katholiken…Zu fragen wäre auch: Wo sind denn beim CSD die Evangelikalen, die Pfingstgemeinden, die Baptisten, die Neuapostolischen, die “freien Gemeinden” innerhalb des Protestantismus? Stehen sie etwa den Katholiken in der Hinsicht näher als der Evangelischen Kirche in Berlin? Fundamentalisten verstehen einander oft sehr gut…

7.

Die offizielle katholische Kirche hat auch jetzt kein deutliches öffenlich sichtbares Interesse daran, sexuelle Minderheiten offiziell und deutlich zusammen mit progressiven Organisationen und Parteien zu schützen oder für eine Politik der Gleichberechtigung der Geschlechter einzutreten.

Die katholische Kirche ist hier wie fast überall längst wieder der alten Ideologie der “klassischen” Geschlechterrollen und vor allem Frauenrollen und der Ignoranz gegenüber den Menschenrechten von Queers verpflichtet. So entsteht seit einigen Monaten ein vielfach beobachter Kulturkampf mit führenden ultrareichen Katholiken in den USA, in Frankreich LINK, oder nun deutlich auch in Deutschland, siehe die führenden konservativen katholischen Kreise in der CDU/CSU, die sich um das C als gültoge politische Aufforderung zur Menschlichkeit im Sinne Jesu von Nazareth nicht ein bißchen kümmern, siehe die aktuelle Abschiebungspolitik, die Reduzierung der Sozialpolitik,die Reduzierung der Hilfe für hungernde Menschen im globalen Süden, das schon fast totale Vertrauen in immer mehr Waffen usw.

Diese Katholiken lieben insgeheim oder öffentlich einen Führer, schätzen mindestens das Führungsprinzip und die Hierarchie, und einen heiligen Vater als Führer, als Papst, haben sie ja schon. Das heißt: Die katholische Ideologie des allmächtigen, unfehlbaren  Papstes ermuntert rechte Katholiken noch weiter nach rechtsaußen abzusacken.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Prof. Ekkehart Reimer ist für das katholische Cusanus – Werk führend verantwortlich.

Prof. Ekkehart Reimer hat den Wikipedia Beitrag über Frau Prof. Brosius – Gersdorf verändert (verfälscht): Er ist für das katholische Cusanus – Werk führend verantwortlich.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 16.7.2025.

1.
Ekkehart Reimer, Professor für Öffentliches Recht in Heidelberg, spielt eine nicht unbedeutende Rolle in der „Causa“ Prof. Frauke Brosius – Gersdorf. Reimer hatte in den wikipedia- Beitrag über Brosius-Gersdorf aktuell die Behauptung gesetzt: Die Kandidatin für das Amt einer Richterin im Bundesverfassungsgericht sei eine, so wörtlich, „Aktivistin“. Dies schrieb Reimer “gezielt vor dem Eklat” (um Prof. Brosius-Gersdorf), wie der Tagesspiegel am 16.7.2025 schreibt: LINK

2.
Man könnte wohl hingegen Prof. Ekkehart Reimer einen Aktivisten nennen: Und zwar einen römisch – katholischen Aktivisten, er ist mit führenden Kreisen der katholischen Kirche in Deutschland eng verbunden: Prof. Ekkehart Reimer ist der „1. Vorsitzender des Vorstands“ der „bischöflichen Studienförderung“ Cusanuswerk in Bonn. Quelle. LINK.   (Zugriff am 16.7.2025.)
In diesen Kreis der Führung des katholischen Studentenwerkes werden „linientreue“ Katholiken berufen, und linientreu heißt: Diese Katholiken wollen und sollen auch die päpstliche Position zum Schwangerschaftsabbruch voll und ganz akzeptieren und nach außen vertreten. Bisher (25.7.2025) hat sich das Cusanuswerk nicht öffentlich geäußert zum Engagement Reimers gegen Frau Brosius-Gersdorf. Offenbar ist das Cusanuswerk mit dem Engagement von Prof. Reimer einverstanden! 

3.
Dass Professorin Frauke Brosius-Gersdorf nicht als Richterin im Bundesverfassungsgericht gewählt wurde, wurde also auch durch die Einfügung in einen Wikipedia Beitrag zu ihrer Person mit – verursacht. Und es war der mit dem bischöflichen Cusanuswerk aufs engste verbundene Rechtswissenschaftler Prof. Ekkehart Reimer, Heidelberg, der diesen Eingriff in den wikipedia Beitrag geleistet hat. Nach eigenem Geständnis hat er den wikipedia Beitrag über Brosius – Gersdorf ergänzt bzw. verändert, indem er eine angeblich sehr radikale Position von Frau Prof. Brosius – Gersdorf zum Schwangerschaftsabbruch dort behauptet.

4.
Der Tagesspiegel schreibt am 16.7.2025: „In einer Stellungnahme schrieb Reimer „t-online“ zufolge, er habe sich zu dem Eingriff veranlasst gesehen, „weil diese Frage in der in diesen Tagen aufkeimenden politischen und wissenschaftlichen Diskussion zentral, in der vorherigen Wikipedia-Fassung aber unterbelichtet, ungenau und unbelegt war“. Er habe die Bearbeitung bewusst unter seinem Klarnamen durchgeführt.“ Und das ist der alles entscheidende Punkt von Herrn Reimer, wenn er sagt: „Ich nehme sie (Frau Prof. Brosius – Gersdorf) als Aktivistin wahr, die über eine Neuinterpretation des Grundgesetzes ein deutsches ‘Roe v. Wade’ erreichen will.“ („Roe v. Wade“, USA, hatte im Jahr 1973 die rechtliche Grundlage für einen allgemeinen und breiten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in seinem Land geschaffen.)

5..
Und es bedarf  keiner Erwähnung mehr, in welcher Weise die katholischen Bischöfe von Regensburg, Passau und Bamberg gegen Frau Prof. Brosius -Gersdorf polemisierten. Von den reakionär katholischen Medien wie “Die Tagespost” (Würzburg) ganz zu schweigen. Katholischsein definiert sich für viele “praktizierende” Katholiken: “Ich glaube an die absolute Ungesetzlichkeit und Unmoralität jeglichen Schwangerabbruchs”. Der Glaube an den Gott der unbedingten Nächstenliebe und menschlichen Freiheit tritt an die 2.  Stelle. Wichtiger ist: “Ich bin als Katholik und CDU Fan/Mitglied gegen jeglichen Schwangerschaftsabbruch”. Und das ist das einzige noch, was vom “C” der CDU CSU übrig geblieben ist.

6.

Die  von konservativer und bzw. katholischer Seite vielfach verbreitete Behauptung “Brosius – Gersdorf ist eine “linksradikale AKTIVISTIN” ist nicht treffend, das wurde auch in den letzten Stunden – nach der „Lanz -Sendung“ am 15.7.2025 – deutlich!

Über die Veränderungen des Wikipedia-Beitrags über Frau Prof. Brosius -Gersdorf durch Prof. Ekkehart Reimer hat Wolfgang H. Deuling ausführlich publiziert: LINK.

Siehe auch den Beitrag des kritischen Netzwerkes WEMEZE 2.o.: LINK 

COPYRIGHT: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

So viele Katholiken im Führungsbereich, „Beirat“ des Cusanuswerk: https://www.cusanuswerk.de/ueber-uns/gremien/beirat.    Was diese vielen Herrschaften wollen so alles beraten und verfügen und fördern bei so einem vergleichsweise kleinen Studienwerk????  Wann beginnt die angeblich soooo “arme Kirche” in Deutschland wenigstens dort Geld zu sparen???? Also diese Herrschaften führen das Cusanuswerk: Rheinmetall ist auch vertreten….,

Prof. Dr. Ekkehart Reimer
 Heidelberg
, Ordinarius für Öffentliches Recht, Europäisches und Internationales Steuerrecht der Universität Heidelberg
Vorsitzender
 

Dr. Wolfgang Schirmer
 Düsseldorf
 Rheinmetall AG; Leiter Business Excellence / Inhouse Consulting
Stellv. Vorsitzender

Dr. Ursula Weidenfeld 
Berlin
Wirtschaftsjournalistin
 Beisitzerin

Adrian Boellaard
Tübingen
 Stipendiat (Gast)

Prof. Dr. Georg Braungart 
Tübingen
 Leiter des Cusanuswerks

Prof. Dr. Christina Büsing
 Aachen
P rofessorin für Kombinatorische Optimierung an der RWTH Aachen

Merle Erpenbeck 
Duisburg
 Aktuarin Bilanzierung; Altcusanerrat

Prof. Dr. Gabriele Gien
 Eichstätt
 Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff
 Düsseldorf 
Staatssekretär des Landes NRW für Kultur a.D.

Dr. Eva-Maria Hepp
 München
 Notarin, Richterin am Bayerischen Verfassungsgerichtshof

Dr. Stephanie Herrmann
 München
 Amtschefin des Erzbistums München und Freising

Prof. Dr. Dr. h.c. Ludger Honnefelder
 Bonn
Emeritierter Hochschullehrer für Philosophie

Dr. Thomas Jaschke
 Gütersloh
E hem. Senior Vice President Bertelsmann AG

Prof. Dr. Wim Kösters
 Münster
 Ehem. Vorstandsmitglied des RWI Essen

Dr. Susanne Pauser 
Freiburg
V orständin des Deutschen Caritasverbandes

Dr. Ulrike Picker Karlsruhe, Richterin am Bundesgerichtshof

Dr. Thomas Scheidtweile Bonn
Generalsekretär des Cusanuswerks

Dr. Dr. Barthel Schmelting
 Lübeck
 Universität zu Lübeck, Leitung GTH

Dr. Maria-Luise Schneider Berlin
Stellvertretende Direktorin der Katholischen Akademie Berlin

Dr. Ludger Schuknecht 
Peking, China
 Vice President / Corporate Secretary bei Asian Infrastructure Investment Bank, China

Dr. Tobias Teckentrup
 Krefeld
 Geschäftsführer Center for Nanointegration Duisburg-Essen; Altcusanerrat

PD Dr. Norbert Verweyen Essen
Geschäftsführer Senerco GmbH
Mitglied im Vorstand der Stiftung Begabtenförderung Cusanuswerk

Dr.-Ing. Rudolph Vollmer
 Hildesheim
 Ehem. Bereichsleiter Bosch; Sprecher des Altcusanerrats

Dr. Caroline Willeke
 Frankfurt
Deputy Director General Statistics bei der Europäischen Zentralbank
Mitglied im Vorstand der Stiftung Begabtenförderung Cusanuswerk

Prof. Dr. Christiane Woopen
 Bonn
 Direktorin des “Center for Life Ethics” / Heinrich-Hertz-Professur für Life Ethics an der Universität Bonn

 

Warum klagen Juden, Christen und Muslime ihren Gott heute nicht an: Wegen der übelsten Zustände auf dieser Welt.

Die 27. der „Unerhörten Fragen“

Von Christian Modehn am 6.7.2025

Einst gehörte die Anklage Gottes durch die Frommen im Judentum (Hiob) und im Islam (Attar) selbstverständlich zur Spiritualität. Christen liebten es allerdings nicht so sehr, Gott anzuklagen und gegen ihn zu protestieren. Denn Er galt ihnen als „Gott der Liebe“. Über ihre Ignoranz (Hass im Antisemitismus, Kolonialismus etc.) gegenüber dem Gott der Liebe verloren die allermeisten Christen keine Tränen und keine Worte, geschweige denn formulierten sie Anklage-Gebete. Solche Gebete fehlen bis heute in christlichen Kreisen!

Wenn Juden, Christen, Muslime und ihre „Führer“ tatsächlich noch an ihren lebendig-handelnden Gott glauben, dann sollten sie doch Anklage erheben, also ihren Gott beschuldigen: „Wo bist du denn?“ Gibt es den Gott des „Bundes mit den Menschen“ etwa nicht mehr? Kümmert Er sich nicht mehr um seine Geschöpfe?

Von solchen Anklagen gegen Gott ist heute nichts zu vernehmen. Sind die Frommen mit einem fernen, untätigen Gott sogar zufrieden? Mit dem “Gott” Netanjahus und seiner super“frommen“, aber rechtsextremen Minister? Oder ist die Hamas mit ihrem genauso heftigen Allah einverstanden?

Unsere Vermutung: Vielleicht glauben die Frommen und ihre „Führer“ längst nicht mehr an einen fürsorglich handelnden, einen liebenden Gott. ER ist entschwunden. Gott handelt nicht mehr, und wird wegen seines Nicht-Handelns auch gar nicht mehr angeklagt.

Die Theologie des “Bundes Gottes mit den Menschen” ist tot, existiert nur auf den Papieren der Theologen, die Ideologen geworden sind. Es herrscht der Nihilismus?

Und was die Christen angeht: Einige Katholiken zumal klagen jetzt zurecht, allerdings völlig erfolglos ,die bürokratischen, undemokratischen Strukturen der Kirche an. Kirchen-Anklage ersetzt die Gottes-Anklage. Diese Kirchen-Anklage ist sowieso einfacher und in den Medien wirksamer und theologisch auch nicht so schwierig wie die Gottes-Anklage.

Nebenbei: Der Autor dieses Hinweises hat eine andere Antwort auf diese “unerhörte Frage Nr. 27”. Hier soll nur der Abschied von der Gottes-Anklage in dogmatischen Kreisen der etablierten Religionen religionswissenschaftlich, sozusagen von außen betrachtet, dokumentiert werden. Und als Wende in der religiösen Szene der Gegenwart gedeutet werden! Gott ist angesichts der politischen, ökologischen, sozialen Katastrophen der Gegenwart, von Menschen gemacht, nicht mehr relevant. Man beklagt Seine Abwesenheit schon gar nicht mehr.

PS:
Zur Einstimmung bitte lesen: Psalm 88 „Klage eines Kranken und Einsamen“.

Und zur Vertiefung bitte lesen: Das wichtige Buch von Navid Kermani, „Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“, Becksche Reihe, München, 2011, 335 Seiten, 14, 95€.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

Neuzelle: Das Kloster und das reaktionäre “Mutterkloster” Heiligenkreuz bei Wien: Die Kriminalpolizei ermittelt

Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6.2025

1.

Das Kloster der Zisterzienser Mönche in Neuzelle, im Land Brandenburg bei Eisenhüttenstadt, ist abhängig von seinem “Mutterkloster” Heiligenkreuz bei Wien: Nun ermittelt dort die Kriminalpolizei, und auch der Vatikan schickt spätestens im Herbst den Erzabt der Benedikter aus Rom zur Kontrolle und Überprüfung des “Innenlebens” im dortigen Kloster und der dortigen Hochschule, die bekanntlich sehr konservative Theologie lehrt mit zunehmendem Erfolg bei jungen, konservativen  Studenten, auch dies ist Ausdruck für den Zustand der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum. LINK:

2.

Die katholische Webseite kath.de hat am 7.5.2025 einen Bericht über den Zisterzienser Mönch des Stiftes Heiligenkreuz bei Wien, Pater Edmund Waldstein, veröffentlicht: Die Universität Innsbruck lehnt die von Pater Waldstein gewünschte Habilitation an der Fakultät ab: Der Grund: Pater Waldstein sei tief im rechtsextremen Milieu verwurzelt. kath.de schreibt u.a.: „Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck hat sich von dem Heiligenkreuzer Zisterzienserpater und Theologen Edmund Waldstein distanziert und ihm nahegelegt, auf die geplante Einreichung seiner Habilitationsarbeit zu verzichten. Das bestätigte der Dekan der Fakultät, Wilhelm Guggenberger, der österreichischen Presseagentur Kathpress. Als Begründung führte Guggenberger Medienberichte an, die Waldstein in die Nähe von rechtskonservativen und reaktionären Netzwerken gerückt hatten. Man habe sich bereits im vergangenen Jahr nach einem kritischen Bericht in der österreichischen Wochenzeitung “Falter” mit Waldstein zusammengesetzt. Nach einer “nur halbherzigen Distanzierung” von den Vorwürfen und weiteren Berichten auf dem Internetportal “Feinschwarz” und in der Wochenzeitung “Die Furche” sei nun das Maß voll gewesen.
Konkret soll es laut Kathpress um den Vorwurf gehen, Waldstein, der an der Hochschule Heiligenkreuz und an der Katholischen Hochschule ITI in Trumau lehrt, sei so etwas wie eine Gallionsfigur des “Neo-Integralismus” mit Verbindungen bis in die obersten Kreise der US-Politik um Vizepräsident J.D. Vance.

Über  Pater Waldstein: LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Wer stoppt das Aushungern der Palästinenser im Gaza – Streifen? Werden KZs von Israels Regierung errichtet?

Wenn faschistische Ideologie zur Realität der Regierung Israels wird. Und eine jüdische Regierung KZ ähnliche Siedlungen für Palästinenser bauen will.

Wir veröffentlichen diese 25. unserer “unerhörten Fragen” nun noch einmal als 26. der unerhörten Fragen:

Wir veröffentlichen diese “Unerhörte Frage”, weil die kaum beschreibbare tötende Gewalt des Staates Israel gegen die Palästinenser “himmelschreiend “ist, um ein biblisches Wort zu benutzen. Die aller Humanität (vom biblischen Glauben der Juden in der Regierung Israels sprechen wir schon gar nicht, sie sind offenbar Heiden geworden?)  widersprechende Tötung und die Aushungeraktion, mit dem Bau von KZ ähnlichen Anlagen für die Palästinenser, ist eine Schande des Judentums, eine Schande der der Menschheit, vor allem eine Schande, dass die kleine, demokratisch verbliebene  Welt außer Stande ist, dass Morden der Regierung Israles sofort zu stoppen. Sind die progressiven Juden weltweit,in den USA und Europa so ohnmächtig, dass sie dem Verbrecher – Regime des Staates Israel jetzt kein Stop verfügen können, indem sie dieser Regierung und diesem sich immer jüdisch nennenden Staat mit dieser Regierung keinen Dollar, keinen Euro mehr schenken?

Die 25. unserer „unerhörten Fragen“,  von Christian Modehn am 26.5.2025

Ergänzung am 15.7.2025 aus einem Beitrag des “Tagesspiegel” am 15.7.2025: Ein Interview mit dem Politiker und EX-Premier Ehud Olmert. Darin bezeichnet Olmert den geplanten Bau von Unterbringungen für viele Tausend Palästinenser durch die Netanjahu Regierung als KZ ähnliche Unterbringungen . FUßNOTE 1.

Der Hintergrund: Das Wort „aushungern“ gehört wie „ausmerzen“ und „ausrotten“ zur Sprache der Nazi – Verbrecher.

Vor allem der rechtsextreme Finanz – Minister Israels Bezalel Smotrich hat das faschistisch zu nennende Projekt „aushungern“ (store) für die Palästinenser in die Öffentlichkeit gebracht und durchgesetzt. Sogar der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, kritisiert jetzt öffentlich dieses Programm des Rechtsextremen Belazel Smotrich.

Der Eindruck einiger Menschen in Deutschland:
Die verhungernden Menschen im Gaza-Streifen, ihr Betteln um ein paar Reste Nahrung, ihr Leiden im einzigen verblieben, aber auch schon von Isarelis ruinierten Krankenhaus… Das erinnert deutlich an Bilder in den KZs der Nazis. Die Bilder vom Damals der KZs und vom Heute in Gaza erleben Menschen auch in Deutschland sozusagen als eine Art Überblendung, wenn nicht als Einheit.

Zur Erinnerung: Die Gründer des Staates Israel wollten diesen Staat als einen explizit jüdischen (und demokratischen) Staat. Das heißt: Verpflichtet auch den humanen Weisungen der hebräischen Bibel, vor allem der Propheten. Wie wenig gilt jetzt noch dieser Geist, diese “Spiritualität”? Die Rache Israels – wegen der Verbrechen der Hamas am 7. Oktober 2023 – wird ins absolut Maßloseste übertrieben. Dieser verrückte Spruch der Bibel: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ meint: Wenn man sich denn rächt, dann nur in GLEICHER HÖHE des Schadens, den der Täter angerichtet hat. Es ist bei diesem Denken gar nicht zynisch, seit dem 7.10.2023 die Zahl der Toten in Israel und die Zahl der Toten im Gaza-Streifen zu zählen und die Zahl der zerstörten Häuser und Hochhäuser in Israel und die Zahl der zerstörten Häuser und Hütten im Gaza-Streifen zu nennen…

Wann kommt es zum Aufstand der Demokraten in Israel gegen diese ihre faschistische Regierung? Ist die in Europa so viel gelobte „Demokratie“ Israels schon zerstört?
Europäer wissen aber nun klar zu unterscheiden: Anti-Israelismus (bei dieser Regierung dort !) hat überhaupt nichts zu tun mit Antisemitismus.
Der erste Schritt Europas zur Rettung der Verhungernden im Gaza-Streifen ist: Keine Waffen mehr für Israel … bei diesen faschistischen Politikern.

Die viel besprochene und durchaus wichtige „Jüdisch – christliche Zusammenarbeit“ (“Woche der Brüderlichkeit”!) müßte unter den aktuellen Bedingungen ab jetzt neu definiert werden. Und bei dieser (!) Regierung in Israel auch das  „Anti-israelische” (gemeint ist diese Regierung) einbeziehen.

Es gibt bekanntlich viele Juden weltweit, die gegen diese eher faschistisch zu nennende Regierung in Israel protestieren. Sie haben sich bis jetzt leider nicht durchgesetzt…

FUßNOTE 1:

Frage: Herr Olmert, der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat vorgeschlagen, in Gaza auf den Ruinen von Rafah eine „humanitäre Stadt“ zu bauen, in der alle Palästinenser wohnen sollten. In einem Interview mit „The Guardian“ haben Sie das mit einem Konzentrationslager verglichen. Warum?

Olmert: Ich habe gesagt, es könnte zu etwas wie einem Konzentrationslager werden. Die Initiative von Verteidigungsminister Katz sieht vor, dass mehr als 600.000 Palästinenser deportiert werden – von dort, wo sie derzeit leben, in ein Sperrgebiet, das von allen Seiten eingezäunt ist. Und das mit angeblich „humanitärer“ Absicht.

Was möchten Sie erreichen?
Ich will mit meinen drastischen Worten warnen: Die internationale Gemeinschaft wird dieses Lager, das jetzt von der Regierung in Erwägung gezogen wird, als etwas Ungeheuerliches empfinden. Zu Recht. Und sollte es tatsächlich eingerichtet werden, werden diese Vergleiche auch von anderer Seite angestellt werden. Denn weltweit kann kaum noch jemand nachvollziehen, was die israelische Regierung derzeit in Gaza macht…

Wenn Menschen im Rahmen eines illegitimen Kriegs getötet werden, muss man das trotzdem als Kriegsverbrechen bezeichnen.

Mit welcher Konsequenz?
Netanjahu und die anderen Verantwortlichen sollten für die Verbrechen verurteilt werden, die sie begangen haben. Aber das muss in Israel geschehen – entsprechend der demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung unseres Staats.

Genau die sehen Sie und viele andere Beobachter aber in Gefahr durch die Netanjahu-Regierung.
Ja. Die Regierung hat den staatlichen Institutionen und der Bevölkerung den Krieg erklärt. Derzeit versucht sie, die Generalstaatsanwältin zu entlassen. Es ist ein weiterer Schritt, um die Justiz zu schwächen, die Gewaltenkontrolle auszusetzen, die Freiheitsrechte der Bürger einzuschränken und immer mehr Macht an sich zu reißen. Wir müssen verhindern, dass unsere Demokratie weiteren Schaden nimmt.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin